Farbenfluss, Aqua Submersus, Papierarbeiten Andrea Zappe

 

Blaue, königsblaue, ultramarine und daunengraue Strukturen auf rauem Papier. Der Fluss der Farbe zeigt sich empfänglich für Effekte der Zufälligkeiten.

Die Künstlerin nimmt die Reaktion des Farbflusses wahr und richtet ihre Kompositionen nach dem was die Präparation auf dem Papier hinterlässt. Zurück bleibt eine Metamorphose, undeutlicher Strukturen die Künftiges schon bestimmen. Das Bild in der Bewegung, manche Tempera- Verbindungen erinnern an „ sables mouvants“, Pigmente, das sich wie Flugsand ausbreitet. Imaginäre Landschaften entstehen. Manchmal herrscht eine befremdliche Ruhe, die von einer leisen, spürbaren Unruhe durchmischt ist. Nebelbänke verdichten sich, Wolkenfelder gleiten Tief und unerreichbar vorüber. In ihren Landschaften ereignen sich atmosphärische Begegnungen, kalte und warme Schichten treffen aufeinander und stilles Drama steht kurz vor oder nach dem Höhepunkt. Lautlos, schwerelos treiben die Farben vorüber. Andeutung der Horizontale. Eindrucksvolle Landschaften, in ihr berühren sich Seestück und Farbtafel, - zwischen Himmel und Meer, zwischen Abstraktion und Figuration. Die Bilder befinden sich in einer Schwebe, in der etwas Form gewinnt oder verliert. Dem flüchtigen Moment nicht unähnlich, ein Augenblick des Übergangs, erfüllt von Spannung, das etwas geht und kommt. Es ist als wäre der Moment aus der Zeit gehoben. Hinter Farbe und Landschaft liegt der nächste Moment verborgen, der hervortreten könnte. Etwas, Umwölktes, Unbewusstes, vielleicht das vage Gefühl für die Unendlichkeit in der Endlichkeit. Oder umgekehrt.  

 

Kunstwissenschaftlicher Text über die Künstlerin Andrea Zappe von

Pro. Walter Israel /  Kunsthistoriker

Andrea Zappe eine intensive, aber immer vielseitige Künstlerperson.  Als Malerin,  Galeristin, Kuratorin, Kunstdozentin. Seit  Jahren  im Kunstgeschäft. Auch und gerade als Malerin. Immer als Herzensbasis, immer im Experiment. Sie stammt nicht zufällig aus einer Familie mit Maltradition. Hier  wird seit Generationen gemalt.

Andrea Zappe hat mehrere Malschulen durchlaufen. So mit bekannten Malgenies wie Prof. Ernst Fuchs, Bele Bachem  zusammengearbeitet. Hat ihre Vorbild-Malerei  erkundet, in Bildern Franz Radziwills, Frieda Kahlo, Salvador Dali, etwa. Die realen Naturbilder gleichen dem naiven Rousseau,  entspringen aber ihre eigenen Handschrift. Und natürlich ist sie in Theorie  und Praxis der aktuellen Kunstszene bewandert. Und natürlich schlagen bei ihren Bildern immer  wieder Horizonte, Farbenspiele, Raumweiten ihrer angestammten Heimat:  Meer; Landschaft, Atmosphäre  der Nordseeküste Frieslands, bildbestimmend durch. Krankheit mit Nah – Tod – Erfahrungen machen manches Bild der Andrea Zappe zu einem existenziellen Dokument.

Ein Bildszenario von Bild - Experimenten der Malerin Andrea Zappe aus den Jahrzehnten um 2000 präsentiert sich: Figurelles, Tier-Portrait, Küsten-Landschaft, Portraits, Zimmer – Interieurs, Nahtod-Visionen, Farb/Licht-Experimente, Landschaftsexperimente. Ein malerisches Experimental-Szenario mit figürlichem , Gegenständlichen, Landschaftlichem und nonfigurellen Farbflächen also. Andrea Zappe arbeitet experimentell und originell mit dem vielfach-Angebot der postmodernen Kunstszene: Malerei und  Photographie: Landschaft, Farbe und Licht. Ein experimentelles Vielfach – Angebot wie es  auch andere Grossmeister der Kunstszene, etwa Gerhardt Richter auf ihre Weise vorschlagen.

Was aber die  Arbeiten der Andrea Zappe originell und auffällig macht, ist die Dimensionierung.

Verschmelzung von Figur, Landschaft, Raum in eine fast magische Wirklichkeit, in einen Zwischen-Raum zwischen Diesseits und Jenseits, in eine  illusionäre Bildwelt mit Geheimnischarakter. Ob durch verstarrte Nah-Portraits, licht-verdämmtes Interieur, lichtdiffuse  oder  farbgleitende  Landschaften, die Bildinhalte der Andrea Zappe zeigen die Welt in einem anderen Licht, transzendieren sie in einen magischen Raum, in irdische Bildmethaphysik.